Herbert Müller Wanderwegewart in Radeberg

Gesichter unserer Stadt: Herbert Müller

In jeder Gemeinde, in Städten als auch Dörfern, gibt es zahlreiche Lokalheldinnen und Lokalhelden, die sich engagieren oder einfach Dinge bewegen, die unser Leben bereichern und angenehmer machen. Genau diese Menschen, die Gesichter unserer Stadt, kommen an dieser Stelle kurz zu Wort.

Heute stellen wir Herbert Müller, Wanderwegewart in Radeberg, in unserem bisher längsten Kurzinterview vor.

  1. Kannst du kurz erklären, wie man Wegewanderwart wird und was dieser macht?

    Wanderwegewarte kommen zu meist aus dem Kreis von Heimatfreunden. So bin ich selbst im Freundeskreis vom ehemaligen Leiter unseres Heimatmuseums im Schloss Klippenstein Rudolf Limpach gewesen und habe dabei Helmut Müller kennengelernt, der mehrere Jahrzehnte das Wanderwegenetz betreute. Einige Jahre habe ich ihm bei seinen Aufgaben geholfen.
    In die Aufgabenbereiche eines Wegewarts fallen die Kontrolle des Zustandes der Markierung von Wanderwegen, Wegweisern, Infotafeln, Begehbarkeit der Wege, das eventuelle Freischneiden von Bäumen und Entfernen anderer Hindernisse (Steine). Bei größeren Schäden erfolgt eine Meldung an die für die Wegerhaltung verantwortliche Stelle z.B. Stadt, Gemeinde oder die jeweiligen Flurstückbesitzer. Für öffentlich gewidmete Wege gilt nach Gesetz die Wegesichungspflicht. Kontrolle von Sitzbänken und überdachten Biwakplätzen.
    Zusammenarbeit mit Herstellern touristischer Wanderkarten, wie veränderte Streckenführung, Eintragung von Denkmalen und noch vorhanden historischen, steinernen Wegesäulen und Sühnekreuzen, aktuelle Gastronomie an Wanderwegen sowie lokale, interessante Beschreibungen.
    Ein Wegewart muss die Legende von Wanderkarten verstehen, über Kenntnisse zur Topographie und zum Koordinatensystem verfügen. Wobei mich heutzutage GPS begeistert. Die Markierungen erfolgen nach einheitlicher Richtlinie und die Farbgebung hat eine festgelegte Rangordnung. Weil diese Tätigkeit ehrenamtlich durchgeführt wird und im gesellschaftlichen Interesse liegt, ist es umso unverständlicher, wie durch Vandalismus in letzter Zeit immer wieder große und sinnlose Zerstörungen vorkommen!

  2. Von wie vielen Kilometern Wanderwegen sprechen wir in deinem Zuständigkeitsbereich und wie oft gehst du diese komplett ab?

    Wanderwege gibt es viele, aber wir sprechen hier vom markierten Wegenetz. Für die Radeberger Region betrifft dies den Ringweg um Radeberg (grüner Punkt), den überregionalen Wanderweg (roter Strich), sowie die lokalen Wege mit gelbem Punkt, gelbem Strich und grünem Strich. Das ist zusammengenommen eine Streckenlänge von ca. 72 km. In Zusammenarbeit mit Wanderwegewart Ronny Menzel (aus Grünberg) ist der rote Punkt als Verbindungsweg zwischen den Schlössern dazugekommen.
    Seit vielen Jahren ist der Ringweg um Radeberg durch den Ausbau der S 177 nach Leppersdorf unterbrochen, im Herbst dieses Jahres besteht Hoffnung, dass sich der Ring wieder schließt. Zur Überquerung der S 177 haben nicht nur die Fledermäuse ihre Brücken bekommen, sondern Wanderer können künftig durch einen Tunnel zum Landwehrwald.
    Die meisten Waderwegewarte sind auch für geführte Wanderungen ansprechbar. Als einen Höhepunkt in meiner Tätigkeit kann ich auf die Führung unseres ehem. Ministerpräsidenten S. Tillich im Kreise von Heimatvereinen und die Führung vom Landratsamt Kamenz / Bautzen durch das Hüttertal verweisen.

  3. Musst du im Winter auch werktags alle Wanderwege bis 7 Uhr geräumt und gestreut haben?

    Das obliegt den jeweiligen Eigentümern des Flurstückes wo der Weg langführt. Ich bin nicht Besitzer des Wegenetzes.

// “Gesichter unserer Stadt” ist ein Gemeinschaftsprojekt der Radeberger Heimatzeitung und mir, Frank Höhme.