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Gesichter unserer Stadt: Ulrike Fourestier vom Taubblindendienst

In jeder Gemeinde, in Städten als auch Dörfern, gibt es zahlreiche Lokalheldinnen und Lokalhelden, die sich engagieren oder einfach Dinge bewegen, die unser Leben bereichern und angenehmer machen. Genau diese Menschen, die Gesichter unserer Stadt, kommen an dieser Stelle kurz zu Wort.

Heute stellen wir Ulrike Fourestier vom Taubblindendienst in Radeberg kurz vor.

  1. Viele Radebergerinnen und Radeberger fahren an der weißen Villa im Süden der Stadt vorbei, doch nur die wenigsten wissen, was sich hinter dem Gartenzaun verbirgt. Kannst du kurz erklären, was ihr als Taubblindendienst macht?

    In dieser schönen Villa, dem Storchennest, befindet sich seit 1994 ein Gästehaus für taubblinde Menschen, also für Personen, die gleichzeitig nicht sehen und nicht hören können. Sie kommen aus ganz Deutschland zu uns und genießen eine Urlaubszeit in der interessanten Umgebung von Radeberg oder nehmen an einem Seminar zu verschiedenen Themen teil. Sie wissen, dass wir dafür sorgen, dass jeder taubblinde Gast eine Begleitung zur Verfügung hat, die dann „sein Auge“ und „sein Ohr“ ist. Diese Begleitung hat gelernt, wie taubblinde Menschen kommunizieren – mit der Hand. Entweder verwenden sie das Handalphabet (Lormen) oder die taktile Gebärdensprache. Manche Gäste können auch noch ein wenig mit guten Hörgeräten die Sprache verstehen.
    Wer Interesse hat, die Kommunikationsformen zu lernen, kann sich gern bei uns melden.

  2. Ihr habt einen wunderschönen und großzügig angelegten, botanischen Blindengarten. Worin besteht seine Besonderheit bzw. Einzigartigkeit?

    Der Garten ist für blinde und taubblinde Menschen angelegt. Die Architektur entsprechend der Harmonie der Düfte ist das Hauptkriterium, nicht die Farbe und Größe der Blüten. Man kann über 700 verschiedene Duftpflanzen genießen.
    Eine andere Besonderheit besteht darin, dass taubblinde Gartenbesucher oder Urlaubsgäste allein, ohne Begleitung im Garten spazieren gehen können, weil sie sich selbständig zurechtfinden. Ein Handlauf mit einfachen Orientierungszeichen zum Fühlen und ganz unterschiedlicher Wegebelag geben die Informationen.
    Ab Mitte Januar kann man sich im neuen Gewächshaus an den duftenden Kamelien freuen.

  3. Vor kurzem ist die Gründerin des Taubblindendienstes Ruth Zacharias im Alter von 81 Jahren verstorben und ihre Verdienste sind unbestritten. Worin siehst du die größten Chancen sowie Herausforderungen für eure Einrichtung in den kommenden 10 Jahren?

    Eine große Chance ist die Möglichkeit, spezielle Assistenten für taubblinde Menschen zu qualifizieren. Wir wollen diese Qualifizierung in Sachsen verankern und taubblinden Menschen helfen, Taubblindenassistenz zu beantragen.

// “Gesichter unserer Stadt” ist ein Gemeinschaftsprojekt der Radeberger Heimatzeitung und mir, Frank Höhme.

Fotomontage – Foto Ulrike Fourestier © Taubblindendienst